market-interview.com mit Martin Siegel (über Edelmetalle)

 

Martin Siegel leitet seit 2011 die operativen Geschäfte und die Beratung der Stabilitas-Rohstofffonds. Zuvor zeichnete er bereits für die Portfolioberatung des Stabilitas - Pacific Gold + Metals verantwortlich, der sich 2009 zum erfolgreichsten deutschen Goldminenaktienfonds entwickelte. Von 1998 bis 2008 hat Martin Siegel den PEH-Q-Goldmines beraten, der 2001 und 2007 jeweils als bester Goldminenfonds ausgezeichnet wurde. Martin Siegel ist nicht nur ein erfahrener Spezialist für das weltweite Rohstoff- und Minengeschäft.
Im Jahr 2006 gründete er die Handelsfirma Westgold, die sich in wenigen Jahren zu einem der größten Goldhändler in Deutschland entwickelt hat.
Martin Siegel ist Autor von insgesamt 8 Büchern, die sich mit der Analyse des Goldmarktes und Investitionsmöglichkeiten in Goldminenaktien beschäftigen. Zwischen 1988 und 2007 hat er zudem die Zeitschift „Goldmarkt“ herausgegeben.

market-interview.com: Herr Siegel, wir freuen uns sehr, Sie als bekannten Edelmetall-Experten im Interview zu haben. Vor allem während der jetzt aus Seiten der EZB und Fed angeworfenen Gelddruckmaschine, sind Sie ein gefragter Experte. Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung der Euro-Zone und den USA?

Martin Siegel: Derzeit findet ein Abwertungswettlauf der beiden Währungsblöcke Dollar und Euro statt. In beiden Regionen übertrumpfen sich die Politik und die Zentralbanken mit der Aufnahme von neuen Schulden und Käufen von Staatsanleihen durch die Zentralbanken, um ihre Währungen zu schwächen.

market-interview.com:
Die gnadenlos expansive Geldpolitik der Zentralbanken müsste also Gold und Silber eigentlich in viel höhere Regionen notieren. Wie entwickeln sich momentan die Edelmetallpreise. Durch Spekulationen, Angebot und Nachfrage oder hat es andere Gründe?

Martin Siegel:
Gold und Silber befinden sich genau aus diesem Grund in einem seit 2001 bestehenden Aufwärtstrend. Dass dieser Trend immer wieder für mehrere Monate unterbrochen wird, ist völlig normal. Alle Anleger, die diese Phasen nicht zu Käufen oder Zukäufen genutzt haben, haben dies bei der Wiederaufnahme des Trends bereut.

market-interview.com: Welche Edelmetalle eigenen sich in Krisenzeiten am besten zum physischen Besitz? Ist es klassisch Gold, oder auch Silber, Platin oder Palladium?

Martin Siegel: Für die Anleger eignen sich vor allem Gold und Silber. Dabei ist Silber das volatilere Metall. Platin und Palladium eignen sich weniger zur Anlage, da sie stark von der industriellen Nachfrage abhängig sind. Nachteilig für Anleger sind auch die Belastung mit der vollen Mehrwertsteuer und die große Handelsspanne zwischen An- und Verkauf, die auf die geringe Größe des Marktes zurückzuführen ist.

market-interview.com: Prognosen für den Goldpreis in schwindelnder Höhe über 2.000 USD, 3.000 USD oder über der 5.000 USD Marke pro Unze werden teils auch von anderen prominenten Experten ausgesprochen. Wo sehen Sie eines Tages den Goldpreis?

Martin Siegel: Ich denke, dass der Goldpreis bereits einen großen Teil der relativen Unterbewertung aufgeholt hat. Die Kaufkraft des Goldes ist in den letzten Jahren im Vergleich zu anderen Sachwerten deutlich gestiegen. Ab sofort hängt die Entwicklung des Goldpreises an der Inflation der Geldmenge und dürfte parallel zur Ausweitung der Geldmenge zulegen. Bei einer Eskalation der Vertrauenskrise in das ungedeckte Papiergeldsystem ist eine Hausse des Goldpreises weit über das faire Kaufkraftniveau allerdings möglich. Verglichen mit der Übertreibung Anfang 1980 wären dann auch Goldpreise von über 5.000 $/oz denkbar.

market-interview.com: Weltweit wurden bereits die ersten "Goldautomaten" aufgestellt. Ist der Hype bei Gold nicht schon ausgebrochen?

Martin Siegel: Die Aufstellung von Goldautomaten ist im Vergleich zu den globalen Umsätzen am Goldmarkt eher eine marginale Randerscheinung. Im Vergleich zum Hype an den Geldmärkten wird der Goldmarkt geradezu stiefmütterlich vernachlässigt. Für etwa 1.800 $ erhalten Sie eine Unze Gold für dessen Produktion ein erheblicher Aufwand betrieben wurde, die einen inneren Wert hat und auf der Welt seit über 5.000 Jahren als Sachwert akzeptiert wird. Am Geldmarkt erhalten Sie für 1.800 $ marginale Zinsen für ein Versprechen eines Staates, der überschuldet ist, den eigenen Konkurs verschleppt und das dieser über das Buchen von ein paar Bytes durch die Zentralbank begleichen kann.

market-interview.com: Verschwörungstheoretiker und Systemkritiker machen sich vor möglichen Enteignungen von Goldbesitzern sorgen. Historisch betrachtet ist der Besitz von Gold während Staatskrisen oder Währungsreformen häufig verboten worden. Wie sehen Sie hier das Risiko, wenn sich Anleger Gold physisch "in den Keller legen"?

Martin Siegel: Ich erwarte kein Goldbesitzverbot, eher sind die Einführung der Mehrwertsteuer oder Handelsbeschränkungen wahrscheinlich. Aber auch ein Verbot ist mit der Kreativität der Politiker beim Ausmerzen ihrer Fehler, die sie in der Finanzpolitik verantworten müssen, nicht auszuschließen.

market-interview.com:
Würden Sie Edelmetallanlegern eher den physischen Kauf empfehlen? - Oder sehen Sie beim Kauf von Gold über Finanzinstrumente wie ETFs bzw. ETCs Gefahren? Und was halten Sie von Minen-Aktien, die schließlich bei einem Anstieg vom Edelmetall auch ihre Gewinne steigern?

Martin Siegel:
Ich rate ausschließlich zum Kauf von physischem Gold oder Investitionen in Goldminenaktien. Alle Derivate sind wegen des Kontrahentenrisikos abzulehnen. Die Erfahrungen mit Zertifikaten der Lehman sollten Warnung genug sein.

market-interview.com:
Kommen wir nochmals zurück zu Europa, das momentan weltweit eine ganz große Gefahr darstellt. Was denken Sie: Welchen Weg werden die Mitgliederstaaten der Europäischen Union einschlagen? Und welche Folgen haben eine mögliche Ausweitung einer europäischen Bankenregulierungsbehörde?

Martin Siegel: Das Bashing Europas der letzten Wochen dürfte sich als gute Einstiegsmöglichkeit erweisen, um gegen den Dollar zu spekulieren. Ich denke, dass diese Chance von den ganz großen Adressen genutzt wurde. Europa ist sowohl mit als auch ohne den Euro ein verschleppter Konkurs. Noch schlimmer dürfte sich in den nächsten Monaten allerdings der verschleppte Konkurs der USA darstellen.

market-interview.com:
Vielen Dank, Herr Siegel, für die interessanten Hintergründe und Fakten.

Wenn Sie mehr über "Stabilitas-Rohstofffonds" und die Handelsfirma Westgold erfahren möchten, besuchen Sie die Websiten: www.stabilitas-fonds.de und www.westgold.de


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