market-interview.com mit Russel D.Markowitz (über Film-Produktion)

 
 
 
 
Über Russell D. Markowitz:

Russel D. Markowitz ist Produzent von Hollywood-Filmen. Er produzierte bekannte Filme wie John Rambo, Street Fighter: The Legend of Chun-Li, Vampires: The Turning, The Crow: Salvation, From Dusk Till Dawn 2: Texas Blood Money, Star Kid u.v.m. Während seiner Karriere fokusierte er sich immer auf Dreharbeiten in Asien.
 

 market-interview.com: Russ, Sie sind ein berühmter Hollywood Filmproduzent. Ihr Fokus liegt auf amerikanischen Filme, die in Asien gedreht werden. Was ist der Grund für Ihre Konzentration auf Filmdrehs in Asien?

Russ: Nun, ich denke nicht, dass ich berühmt bin. Mein Tätigkeitsfeld lag immer auf der technischen Produzentenseite. Hier habe ich mich vor allem um die Logistik, die Managmentzusammenstellung und die Finanzplanung gekümmert, als den öffentlichkeitswirksamen Vertrieb, Werbung und direkte Finanzierung .
Meinen Hauptaugenmerk habe ich vor allem auf Thailand und nicht so sehr auf die anderen Teile des östlichen Kontinents gelegt. Dennoch finde ich alle asiatischen Kulturen sehr interessant und schön. Der Grund für meinen Fokus und meine Vorliebe Filme in Thailand zu drehen, hat vier Gründe: Erstens , der sehr gute Zugang zu zeitgemäßer Drehtechnik und Sound-Ausstattung. Zweitens, eine wunderschöne Landschaft, mit hervorragenden Drehplätzen wie Thailands Dschungel, Berge, wunderschöne Strände und Inseln. Drittens die Verfügbarkeit von weltklasse Technikern und Filmcrews, die mit der Produktion englischsprachiger auf Hollywood-Niveau produzierter Filme sehr erfahren sind. Viertens das "Kosten-Leistungs-Verhältnis". Die Produktionskosten sind im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern und auch weltweit sehr gering, und das trotz sehr hoher Qualität der Filmcrews und Techniker. Dadurch kann man Filme für ca. 20 Millionen USD produzieren, die allerdings aussehen wie eine 50 Millionen USD Produktion.

market-interview.com: Wieso haben Sie sich für den Hauptwohnsitz Chiang Mai entschieden?

Russ: Das ich in Chiang Mai "gelandet" bin war eher zufällig. Als ich das erste Mal als Co-Produzent für den Film "Vampires: The Turning" nach Chiang Mai flog, hat mir die Stadt sofort gefallen. Als ich dann gebeten wurde, zwei Hellmark Mini-Serien zu produzieren, zögerte ich nicht lange und schlug vor, anstelle von Mexiko, lieber Thailand als Produktionsort zu wählen. Ich schlug daraufhin meine Zelte in Chiang Mai auf, arbeitete allerdings für die nächsten eineinhalb Jahre in Surat Thani und Krabi in Südthailand. Als ich nach Chiang Mai zurückkam erkannte ich, mein Zuhause gefunden zu haben und blieb. Einige Jahre später, als mir dann vorgeschlagen wurde, die Produktion für Rambo 4 zu übernehmen, bot Chiang Mai mit seiner erstklassigen Infratsruktur, ursprünglichen Natur und der Vielzahl an Hotels einen optimalen Drehort.

market-interview.com: Für einen gewöhnlichen Menschen hört sich die Produktion von Filmen sehr kompliziert an. Vom Drehbuchschreiben über die Aufstellung eines Budgets bis zur Schauspielerauswahl und schließlich den Film erfolgreich in den Kinos zu bringen scheint es ein langer Weg zu sein. Können Sie uns bitte etwas über den Ablauf von der Drehbuchidee bis zum erfolgreich gezeigten Kino-Film erzählen?

Russ: Wow, das ist eine große Frage und ja, es ist sehr schwierig und für die Meisten gar unmöglich. Von den tausenden Drehbüchern, die jedes Jahr geschrieben werden, wird nur eine Handvoll ausgewählt. Viele der ausgewählten Drehbücher führen zudem schon in der Entwicklungsphase in einen wahren Alptraum, nur wenige schaffen den Sprung aus der Planungsphase. Dann erst kommt die Ablauf- und Budgetplanung, die wiederum Monate dauern kann und dann noch die leider oft sehr zeitintensive Suche nach der Gesamtfinanzierung.
Die großen Hollywood-Studios produzieren und vertreiben jährlich immer noch sehr viele Filme, allerdings nur sehr wenige ausgewählte Major-Produktionen auf „tent pole“ - Niveau. Also sprich, eigenfinanzierte Produktionen im mehrere hundert Millionen US-Dollar Bereich. Die Studios sehen in diesen hochriskanten Projekten eine höhere Chance auf große Renditen als Filme mit niedrigerem Budget und bisher ging diese Strategie auch meistens auf. Die meisten übrigen Produktionen sind sogenannte „Slate Productions“ , also sprich unabhängig finanzierte und produzierte Filme, welche schließlich unter dem Studio-Namen vertrieben werden um einen maximalen Verbreitunsggrad zu erreichen.

Sehr wichtig für den Erfolg ist es natürlich auch die richtigen Darsteller auszuwählen, sowohl aus künstlerischer wie auch geschäftlicher Sicht. Allgemein muss immer zwischen den künstlerischen und den wirtschaftlichen Vorstellungen eine ausgewogene Balance bestehen.  Ein Ungleichgewicht kann immer zum Misserfolg führen. Man muss sehr darauf achten wer das eigene Zielpublikum ist und wie sich ein Genre als auch die Schauspieler und Regisseure.

market-interview.com: Sie arbeiten aktuell an verschiedenen Projekten. Ich habe die Drehbücher für "The Resort" (Aktion) und "The Thai Way" (Komödie) gelesen. Sie befinden sich jetzt in der Finanzierungsphase. Wie ist der aktuelle Stand? Und wie können Sie die Filme so renditesicher wie möglich für Investoren strukturieren?

Russ: Research, Research, Research. Ich kann garnicht mehr betonen wie wichtig es ist die eigenen Hausaufgaben zu machen. Bei den meisten Drehbücher denkt der Autor sie seien brilliant, und vielleicht sind sie es auch. Aber häufig sehe ich darin keinen Markt. Egal in welchem Bereich man in das Filmgeschäft eintritt, darf man nie vergessen, dass es erstmal ein knallhartes Geschäft ist. Das kreativste Drehbuch wird scheitern wenn es dafür kein Publikum gibt. Deshalb habe ich auch z.B. einen vollständigen Businessplan für "The Resort" erarbeitet, in dem zum einen die Tatsache belegt und ausgeführt wird dass Aktion-Filme weltweit immer auf hohe Akzeptanz stoßen und es alleine in Nordamerika über 30 Millionen aktive Kampfsportler gibt ( welche als direkte Zielgruppe in Frage kommen) . Zudem wird die "Unlimited Fighting Championship" (UFC) in weltweit über 480 Millionen Haushalten ausgestrahlt. Kombiniert man diese Daten mit einer originellen und einzigartigen Geschichte, mit international bekannten Schauspielern, so hat man die Basis für einen profitablen Film geschaffen. Unser Budget für "The Resort" beträgt aktuell rund 20 Millionen USD, damit ist ein amerikanischer A - Klasse Schauspieler in der Hauptrolle und weitere bekannte Gesichter in Nebenrollen sichergestellt. Das zweite von Ihnen erwähnte Projekt "The Thai Way", ist eine amerikanische „fish out of the water comedy“ (amerikanische Situationskomödie, Beispiele: The Big Lebowski, A Serious Man o. Ä.) die sich derzeit in der Finanzierungs-Planungsphase befindet. Aufgrund des jüngsten Erfolgs der beiden "Hangover" Filme und einer Reihe anderer Filmprojekte dieser Kategorie hat dieser Film ebenfalls eine hohe Priorität für mich. Die Budgetplanung liegt hier aktuell bei 10 Millionen USD.
Die Sicherheit für Investoren stammt aus meiner Erfahrung von über 30 Projekten in den vergangenen Jahren, welche niemals ihr Budget überschritten hatten und die Tatsache, dass für jedes Filmprojekt an dem ich beteiligt bin eine Fertigstellungsversicherung abgeschlossen wird. Dies garantiert, dass das Projekt-Budget nicht überschritten wird und der Film im mit den Vertriebspartnern festgelegten Zeitrahmen rechtzeitig fertiggestellt wird.

market-interview.com: Das hört sich nach einem soliden Konzept an und sollte auch unsichere Investoren überzeugen. Ich weiss es ist schwer Gewinn- und Umsatzprognosen im Filmgeschäft abzugeben, erlauben Sie mir aber bitte trotzdem folgende für unsere Leser sehr interessante Frage. Es gab Filme mit Budgets von nur 10 Millionen USD und spielten 100 Millionen USD ein. Andere Filme sind vollständig gescheitert. Was ist im Filmgeschäft für Investoren ein durchschnittlicher Renditefaktor?

Russ: Ich würde sagen, dass es keinerlei Durchschnittswerte gibt. Jedoch kann man bei der richtigen Due Diligence des Produzenten eine "Eventuell-Prognose" abgeben. Wenn ein Investor in Immobilien investiert, kann er die Preise vergleichbarer Objekte zu Rate ziehen. Oder man kann bei Gewerbeimmobilien ähnliche Mieteinnahmen erfragen. Dies gilt auch für Investoren und Produzenten im Filmbereich. Ich versuche die Verbindung von ähnlichen Filmen der Budgetgröße, Zielpublikum, Besetzung und MPAA Rating herzustellen. Normalerweise bezahle ich eine externe Consulting, die Zugriff auf alle Vergleichsdaten zum Weltmarkt hat und mir diese Informationen bereitstellt. Solange nicht die (veranschlagten) Produktionskosten deutlich unter den zu erwartenden Gewinnen liegen und die Vergleichsdaten von ähnlichen Filmen einen hohen Gewinnanreiz versprechen, bin ich nicht daran interessiert ein Projekt voranzutreiben. Die großen Misserfolge welche Sie erwähnt haben, geschahen aus mehreren Gründen, wie z.B. eine zu geringe Finanzierung mit einem darauffolgendem Einbruch des Kapitalflusses, ein Scheitern beim Abschluss eines Distributionsvertrags, einem MPAA-Rating von NC17, dem kurzsichtigen starten einer Filmproduktion ohne Marktstudie, etc. Ich schließe immer eine Fertigstellungsversicherung und schließe einen Distributionsvertrag bevor oder während ich mit dem Casting anfange, da der Distributor eine bessere Einschätzung zur aktuellen Marktfähigkeit hat als ich. Diese beiden Punkte einzuhalten kann helfen die meisten finanziellen Reinfälle im Vorfeld zu verhindern.

market-interview.com: Vielleicht gibt es Leser in unserer Community, die an einem Ihrer Filmprojekte interessiert sind zu investieren. Was möchten Sie unseren Lesern sagen, um die Entscheidung einfacher zu machen? Schließlich haben Sie eine große Erfahrung, beste Kontakt zu Hollywood Schauspielern und wissen wie das Filmgeschäft zum Erfolg führt.

Russ: Nun, ich kann Ihren Lesern zu raten eine klare Due Diligence wie bei allen anderen Investitionen durchzuführen. Es kann mit dem Lesen des Finanzplans für "The Resort" oder dem des Komödiendrehbuch für "The Thai Way" beginnen. Schauen sie sich mein Profil im Internet auf IMDB an, die eine ziemlich komplette Liste (meiner Produktionen) haben http://www.imdb.com/name/nm0548741
Ich will auch betonen, dass dieses Interview nicht als Investitionsangebot oder ähnliches zu verstehen sein soll.

Eine Sache, die ich über das Filmgeschäft
im Allgemeinen noch sagen möchte, es gilt als sehr Konjunktursicher. So waren z.B. die Zeiten der großen Depression (Anm. der Red. : 1929-1939) die besten Jahre in der Geschichte der Filmindustrie. Es scheint, dass sich Menschen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten noch lieber in diesen großen schwarzen Raum (Kino) zurückziehen und der Realität entfliehen. Während aller großen Wirtschaftskrisen in der Vergangenheit erhielt das Filmgeschäft einen Aufschwung, etwas worüber man sich in unsicheren Zeiten Gedanken machen sollte.

market-interview.com: Vielen Dank, Russ, für die interessanten Informationen.

Falls Sie sich näher für die Filmprojekte von Russell D. Markowitz interessieren, nimmt die Redaktion von www.market-interview.com gerne Anfragen entgegen oder treten Sie direkt mit Herrn Markowitz via E-Mail: russmarko@yahoo.com in Kontakt.
 

Wichtige Information: diese Interview wurde von der Redaktion auf englisch geführt und in deutsch übersetzt!

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