Market-Interview.com mit Raimund Brichta (über Zypernskandal)

 

Über Raimund Brichta:

Raimund Brichta ist Fernsehmoderator und Börsenreporter beim deutschen Nachrichtensender N-tv. Er ist außerdem als Sachbuchautor aktiv.

 
 

market-interview.com: Herr Brichta, als Finanz- und Börsenjournalist kennt Sie wohl jeder Anleger in Deutschland von Ihren Sendungen, Kommentaren und Berichten auf N-TV. Nicht zuletzt auch von dem ausgestrahlten und nicht geplanten Schlagabtausch mit Friedhelm Busch http://www.youtube.com/watch?v=AHX9BSOU7cI . Bereits damals war das Thema die Währungsreform. Über Nacht wurde jetzt in Brüssel die Zwangsabgabe von 10% des Geldes was auf Bankkonten in Zypern liegt beschlossen. Wie sehen Sie diesen Skandal einer “Quasi-Enteignung”?

Raimund Brichta: Wieso Skandal? Ist für Sie etwa ein Erdbeben ein Skandal? Was ich damit sagen will, ist: Die zwangsweise Vernichtung privater Geldvermögen ist in unserem Geldsystem genauso angelegt, wie Erdbeben in der Natur es sind. Das heißt, die Vernichtung ist von Zeit zu Zeit unvermeidbar. Auf welchem Wege das geschieht, ist dabei vollkommen egal.

Wer nun verwundert die Augen reibt und mich nicht versteht, dem empfehle ich mein Buch "Die Wahrheit über Geld", das demnächst erscheint. Darin wird diese Zwangsläufigkeit eindrucksvoll belegt, wie ich meine. Stellen Sie sich in Zukunft also auf weitere Enteignungen ein. Die haben allerdings nur den Zweck, Pleiten zu kaschieren, die im Endeffekt die gleichen Auswirkungen hätten.

market-interview.com:  Macht die Zwangsabgabe in Zypern nun in Gesamteuropa Schule? Oder in anderen Worten: glauben Sie, dass Brüssel mit Zypern zunächst einen Test macht, um die Reaktionen zu sehen und Zwangsabgaben auch in anderen europäischen Ländern kommen könnte?

Raimund Brichta: Da der Aufschrei überall sehr groß war, wird man versuchen, es anders zu nennen und vermutlich auch anders auszugestalten. Aber in der Konsequenz wird es das Gleiche sein.

market-interview.com:  Die Europäische Zentralbank (EZB) macht den Anschein immer mehr Kontrolle und Einflussnahme in der europäischen Bankenlandschaft bekommen zu wollen. Die Schaffung von Rettungsschirmen wie der ESM und unlimitiertem Aufkauf von Staatsanleihen hat unserer Meinung zufolge die Souveränität einzelner Staaten der EU vernichtet. Kann der Wert der Euro-Währung überhaupt noch gehalten werden, oder stehen wir tatsächlich vor einer Währungsreform?

Raimund Brichta: Wir sollten die Begriffe klar definieren, mit denen wir hantieren: Unter einer Währungsreform verstehe ich das Zusammenstreichen von Schulden und Geldvermögen in einer gesamten Volkswirtschaft. Dazu wird es - wie bereits angedeutet - selbstverständlich wieder irgendwann kommen. Das wird dann das große Endspiel ums Geld sein, und zwar in den meisten etablierten Industriesaaten. Der Zerfall des Euro, der ebenfalls unvermeidlich ist, wird dagegen vorher stattfinden. Er wird jedoch - zumindest in Deutschland - nicht mit einer Währungsreform im beschriebenen Sinne einhergehen. Wenn Sie so wollen, wird er somit nur eine Art kleines Finale darstellen.

market-interview.com: In unserem E-Mail Austausch haben Sie von einer möglichen Abschaffung der Papierwährung – also keine erlaubte Zahlung mit Geldnoten oder Münzen – gesprochen. Dies würde doch eine totale Kontrolle der Bevölkerung bedeuten?

Raimund Brichta: Die "Papierwährungen" sind heutzutage längst schon in erster Linie elektronische Währungen, die nur in Form von Zahlen in irgendwelchen Bilanzen stehen. Elektronisch sind sie deshalb, weil die Bilanzen elektronisch erfasst sind. Die Tendenz geht tatsächlich dahin, das Bargeld in Form von Papier immer weiter zurückzudrängen. Hier gehen die Interessen der Banken und der Regierungen übrigens in dieselbe Richtung: Die Staaten können bargeldlose Zahlungen viel besser kontrollieren. Außerdem lassen sich Enteignungen, wie in Zypern ursprünglich geplant, oder Währungsreformen bargeldlos sehr leicht bewerkstelligen, in dem einfach Zahlen auf Konten gestrichen werden. Und den Banken ist Bargeld sowieso ein Dorn im Auge. Denn es ist das einzige Geld der Zentralbank, das auch wir Privatleute und Unternehmen bekommen können. Das heißt, die Geschäftsbanken müssen es sich auf relativ kostspielige Weise erst beschaffen. Auch dazu mehr in meinem Buch.

market-interview.com:  Währungsreformen führten zumindest historisch betrachtet meist zum Verbot von Goldbesitz. Wie schätzen Sie hier die Gefahren ein? Zumal heute bereits der Kauf von physischem Gold registrierungspflichtig ist und die Besitzer via Mausdruck “ausgespuckt” werden?

Raimund Brichta: Noch wird Goldbesitz in Deutschland sogar bevorteilt. Denken Sie nur daran, dass Gold nach Ablauf der Spekulationsfrist immer noch steuerfrei mit Gewinn veräußert werden darf. Und wenn man Goldkäufe in bar bezahlt und in Häppchen bis 15.000 Euro stückelt, entfällt sogar die Registrierungspflicht. Aber dies dürfte sich in Zukunft ändern. Vor der Gier des Staates wird vermutlich keine Vermögensart verschont.

market-interview.com:  Was raten Sie als Finanzexperte Sparern in Deutschland: Wo und wie kann man jetzt noch sein Kapital absichern? Auf den Bankkonten das Geld zu “horten” scheint nach dem jüngsten Vorfall in Zypern nicht mehr sicher zu sein.

Raimund Brichta: Vollkommen sicher ist überhaupt nichts. Und verschont wird - wie gesagt - auch keine Vermögensart. Deshalb sollte man sein Vermögen möglichst breit streuen und wenn möglich auch auf verschiedene Länder verteilen. Und man sollte auch nicht vergessen, Geld auszugeben und gut zu leben.

market-interview.com:  Welche Möglichkeiten sehen Sie aktuell als realistisch das krisengeschüttelte Europa (natürlich auch die USA) wieder in die Bahn zu bringen? Die globale Überverschuldung kann man doch eigentlich nur noch mit einem Schuldenschnitt in Griff bekommen – oder nicht?

Raimund Brichta: Die Währungsreform kommt, aber nicht so schnell, wie einige erwarten. Nach meiner Einschätzung in diesem Jahrzehnt nicht mehr.

market-interview.com:  Wir bedanken uns vielmals für die interessante Erklärung, die sicherlich unsere Leser zum Nachdenken anregt. Nähere Informationen und Berichte vom Finanzexperten Raimund Brichta finden auf http://www.teleboerse.de/kolumnen/

 

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