Market-Interview.com mit Companisto (über Start-Up Finanzierung)

Über Companisto Companisto (www.companisto.de) ist Deutschlands erste Crowdinvesting-Plattform für jedermann. Crowdinvesting bedeutet, dass sich viele Personen an einem Start-up beteiligen und das Start-up so eine Finanzierung erhält. Insgesamt wurden über Companisto mehr als 900.000,00 Euro von über 4.500 Companisten in Start-ups investiert. Die Mikroinvestoren - Companisten genannt - sind im Gegensatz zu den Modellen anderer Crowdinvesting-Anbieter nicht nur am Gewinn, sondern auch am Unternehmenswert und an Erlösen aus einem möglichen Verkauf des Start-ups beteiligt.  Die Companisto GmbH mit Sitz in Berlin wurde von den Rechtsanwälten David Rhotert und Tamo Zwinge gegründet und ging im Juni 2012 an den Start.   

market-interview.com: Herr Lehmann, Sie sind für die Kommunikation beim Crowdfunding-Unternehmen Companisto (www.companisto.de) zuständig. Was steckt hinter Crowdfunding?

Lehmann: Eine zeitgemäße Form der Unternehmensfinanzierung. Crowdfunding/-investing ist eine Schwarmfinanzierung. Bis vor Kurzem hatten vor allem tech- oder web-basierte Startups das Problem, dass sie mit ihren Ideen bei Banken scheiterten, weil sie keine Sicherheiten haben und sie oft nichts Physisches herstellen. Das sagt allerdings natürlich nichts über die Idee aus. Crowdfunding/-investing ist zeitgemäß, weil beim Crowdinvesting Startups und Mikroinvestoren auf einer Online-Plattform zusammenfinden. Jeder, der die Idee des Startups sinnvoll findet, kann unkompliziert in sie investieren, seien es Verwandte, Freunde oder Investoren mit klaren Renditevorstellungen.

Die Investoren stellen das Kapital und werden dafür an den Startups beteiligt. Zeitgemäß auch deswegen, weil die Investoren ihr Startup im eigenen Bekanntenkreis beispielsweise über Social Media bekanntmachen können und ihr Investment damit zum ersten Mal selbst beeinflussen können. Jeder Deutsche hat im Schnitt 130 Facebook-Kontakte.

market-interview.com: Sehr interessant. Welche Vorteile bietet Crowdfunding für Unternehmen und Investoren? Und vor allem: Wo stecken die Risiken beim Investor?

Lehmann: Für Unternehmen ist der große Vorteil, dass Crowdinvesting wesentlich mehr ist als nur die Bereitstellung der Finanzierung. Die Mikroinvestoren - bei Companisto Companisten genannt - werden Markenbotschafter der Startups - und das ohne Zwang. Außerdem versorgen sie die Startups schon im eigenen Interesse mit sachdienlichen Hinweisen. Die Unternehmen erhalten also ein ständiges, aufrichtiges Feedback. Mehrere Hundert Augen sehen mehr als - sagen wir - sechs.

Für Investoren ist Crowdinvesting deshalb attraktiv, weil es bis vor Kurzem schlicht unmöglich gewesen ist, dass jedermann in Startups in der Frühphase investieren konnte. Dazu musste man Business Angel sein und einen mindestens fünfstelligen Betrag in die Hand nehmen. Bei Companisto ist jeder ein kleiner Business Angel und kann sich mit jedem Betrag zwischen 5 Euro und 10.000 Euro an Startups beteiligen. Die Companisten profitieren von den Gewinnen der Startups und von der Entwicklung des Unternehmenswertes. Wird das Startup von einem Großinvestor gekauft – also im Exit-Fall -, werden die Companisten entsprechend ihrer Anteile am Kaufpreis beteiligt.

Jede große Chance birgt aber auch Risiken. Beim Crowdinvesting handelt es sich ganz klar um Wagniskapital. Man sollte niemals mehr in ein Startup investieren, als man im schlimmsten Fall verkraften kann zu verlieren. Wir glauben jedoch, dass der Verzicht auf eine Mindestinvestitionssumme, wie wir es vorsehen, das persönliche Risiko der Companisten reduziert.

market-interview.com: Sie haben im Jahr 2012 begonnen Companisto in Deutschland zu etablieren. Heute sind Sie sowohl bei Unternehmen als auch Investoren eine bekannte Plattform. Wie haben sich die ersten Unternehmen, die Sie “finanziert” haben, entwickelt?

Lehmann: Vielen Dank für das Komliment. Ganz generell können die Companisten die Entwicklung ihres Startups auf unserer Seite verfolgen, denn diese veröffentlichen regelmäßige Updates.

Wir sind im Juni 2012 mit zwei Startups ins Rennen gegangen. Eines davon waren wir selbst und das andere doxter, eine Plattform, über die man Arzttermine online buchen kann. Wir hatten uns damals entschlossen, dass wir es den Leuten ermöglichen möchten, sich direkt an Companisto zu beteiligen, auch um zu demonstrieren, dass wir unbedingt an das Prinzip des Crowdinvesting glauben. Es ist einfach konsequent, dieses Prinzip auch auf sich selbst anzuwenden. Jetzt, nach neun Monaten haben wir elf Unternehmen finanziert, knapp 900.000 € für sie erhalten.

Doxter hingegen hat nur drei Monate nach dem Crowdinvesting eine Anschlussfinanzierung in sechstelliger Höhe seitens eines bekannten Internet-Unternehmers erhalten. Unsere Beteiligungsverträge sehen ein Pooling, also eine Bündelung der Anteile vor. Dadurch haben Großinvestoren, die in ein Startup einsteigen möchten, bei einer Anschlussfinanzierung nur einen Ansprechpartner, nämlich Companisto. Dank dieser Struktur sind Anschlussfinanzierungen bei Companisto-Startups kein Problem.

market-interview.com: Für welche Art von Unternehmen eignet sich ein Crowdfunding am besten? Haben Sie Erfahrungen gesammelt welche Branchen bei Crowdfunding-Investoren am Besten ankommen?

Lehmann: Voraussetzung für ein Crowdinvesting auf Companisto ist ein innovatives und skalierbares Geschäftsmodell, welches sich durch Neuerungen und Alleinstellungsmerkmale vom Wettbewerb abhebt. Darüber hinaus muss das Startup die Konzeptphase bereits hinter sich gehalten haben.

Ich würde sagen, dass nicht unbedingt eine Branche besser ankommt als eine andere. Wichtig ist, dass das Startup ein Problem löst, das viele Leute haben, bzw. einen Mangel behebt und die Investoren müssen auch sofort erkennen, dass dieses Problem behoben wird. Erkennen die Investoren den Nutzen und wissen sie, dass viele andere den Nutzen auch erkennen, hat das Unternehmen gute Karten.

market-interview.com: Betreuen Sie die finanzierten Firmen auch bei einem nächsten Finanzierungsschritt? Schließlich ist Crowdfunding primär für Start-up und benötigen zu einem späteren Zeitpunkt wahrscheinlich weiteres Expansionskapital.

Lehmann: Richtig, eine weitere Kapitalaufnahme ist oftmals notwendig, damit das Unternehmen wachsen kann. Companisto ist jedoch nur die Plattform, über die das Crowdinvesting abgewickelt wird, um dem Unternehmen einen guten Start zu verschaffen. Wenn das Unternehmen auf uns zukommt und uns um Hilfe bittet, helfen wir natürlich. Sei es mit Kontakten oder aber gegebenenfalls mit einer weiteren Crowdinvesting-Runde.

market-interview.com: Zumal Sie mit vielen Firmen im Gespräch sind würde sich auch eine Vernetzung der Firmen durch Companisto anbieten. Sind Sie in diesem Bereich fuer die Unternehmen auch aktiv, so dass sich Unternehmen untereinander befruchten?

Lehmann: Wenn wir Synergien erkennen, machen wir darauf aufmerksam. Die Startup-Szene ist aber abgesehen davon sehr kollegial, gerade in einer Stadt wie Berlin sind die Wege kurz. Man kennt sich und spricht eh miteinander. Natürlich verbindet die Companisto-Unternehmen aber noch einmal ein besonderes Band. Wenn man auf Companisto finanziert wird, wird man Teil der Companisto-Familie, da findet natürlich auch eine Vernetzung der Companisto-Startups untereinander statt.

market-interview.com: Planen Sie auch im Ausland mit Crowdfunding zu starten? Oder konzentrieren Sie sich ausschliesslich auf Deutschland?

Lehmann: Im Moment konzentrieren wir uns auf Deutschland, aber die Herausforderungen mit der Unternehmensfinanzierung in der Frühphase bestehen in ähnlicher Weise natürlich auch in anderen Ländern und Crowdfunding ist schon ein globaler Trend.

market-interview.com: Sehr spannende Antworten auf ein rundes und erfolgreiches Konzept. Wir bedanken uns bei Herrn Lehmann und für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Website: www.companisto.de

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